Elkana Bohbot spricht bei Treffen mit Boy George in Jerusalem über Freiheit nach der Geiselhaft
Von Die Redaktion von The Israel DeskErschienen:

Die ehemalige Hamas-Geisel Elkana Bohbot sagte am 2. November in der Präsidentenresidenz in Jerusalem, seine Entführer hätten ihm die Freiheit genommen, könnten ihm aber nicht seinen Geist nehmen. An den britischen Sänger Boy George gewandt, verband er seine Rückkehr aus Gaza mit der Musik und dem gemeinsamen Leben, die Menschen vor dem Massaker vom 7. Oktober zum Nova-Festival geführt hatten.
Ein Überlebender spricht selbst
„Heute, nach 738 Tagen Gefangenschaft, stehe ich hier frei“, sagte Bohbot. Das israelische Außenministerium veröffentlichte seine Worte; Israel National News berichtete ebenfalls darüber. Er dankte dem Sänger für seine Freundschaft und die Entscheidung, seine Musik nach Israel zu bringen. Die Aussicht, wieder zu tanzen, beschrieb er als untrennbar mit seinem eigenen Leben verbunden.
Bohbot war beim Nova-Festival entführt worden, wo Menschen zusammengekommen waren, um mit Musik das Leben zu feiern. In Jerusalem kehrte er mit seinen Worten an diesen Ort zurück: Der Schauplatz seiner Entführung steht auch für eine Gemeinschaft und einen Teil des Lebens, den er wiedergewinnt. Seine öffentliche Aussage kreiste um Freiheit, Solidarität und den Fortbestand dieses Geistes.
Das Treffen am 2. November
Präsident Isaac Herzog und seine Frau Michal richteten die Veranstaltung während Boy Georges Israelbesuch aus. Auch Sylvan Adams, Präsident des Jüdischen Weltkongresses in Israel, nahm teil. Das Treffen würdigte die Unterstützung des Musikers für Israel und jüdische Gemeinschaften nach dem 7. Oktober. Bohbot brachte dabei die Erfahrung der Gefangenschaft unmittelbar zur Sprache.
Herzog sprach über Feindseligkeit gegenüber Israelis und Juden im Kulturbetrieb und dankte dem Sänger für seine öffentliche Haltung. Adams hob hervor, dass Boy George, der nicht jüdisch ist, sich freiwillig für dieses Engagement entschieden habe. Ihre Reden stellten persönliche Solidaritätsentscheidungen neben das Zeugnis eines Mannes, der die Hamas-Geiselhaft überlebt hat.
Musik und die beim Nova-Festival angegriffene Gemeinschaft
Boy George veröffentlichte im Sommer „We Will Dance Again“ und widmete das Lied der Nova-Gemeinschaft und den beim Festival Ermordeten. Der international als Culture-Club-Sänger bekannte Musiker war bereits früher in Israel zu Besuch und aufgetreten. In der Präsidentenresidenz beschrieb er persönliche Veränderungen nach seiner öffentlichen Unterstützung.
Manche Menschen sähen ihn inzwischen anders, sagte er. Die Erfahrung habe sein Bewusstsein für emotionale Herausforderungen geschärft. Für Bohbot war die Botschaft des Liedes unmittelbar mit dem Ort verbunden, an dem sein Leben unterbrochen wurde. Seine Worte führten von der öffentlichen Haltung eines Musikers zum Willen eines Überlebenden, wieder am normalen Alltag teilzunehmen.
Ein familiärer Meilenstein nach der Rückkehr
Bohbots Auftritt folgte auf einen weiteren öffentlich bekannten Moment seiner Familie. Am 28. August berichtete Israel National News, er und seine Frau Rivka hätten eine Tochter bekommen. Die Geburt lag weniger als ein Jahr nach seiner Rückkehr aus 738 Tagen Hamas-Gefangenschaft. Dieses Ereignis verleiht seinen Worten in Jerusalem einen konkreten Hintergrund jenseits der Zeremonie.
Das Baby kam zum älteren Sohn des Paares, Re'em, hinzu. Bohbot teilte ein Foto mit Rivka und der Tochter zusammen mit Psalm 100, einem Dankpsalm. Rivka hatte die Schwangerschaft im April bekannt gegeben. Während seiner Gefangenschaft hatten sie und seine Mutter Ruhama sich für seine Freilassung eingesetzt. Zu den heute geteilten Familienmomenten gehört auch der alltägliche Wiederaufbau eines gemeinsamen Zuhauses.
Erinnerung durch persönliche Zeugnisse
Während desselben Besuchs besichtigte Boy George die Ausstellung „06:29 - Von der Dunkelheit ins Licht“ im Jerusalemer Museum der Toleranz, wie die Jerusalem Post berichtete. Museumschef Jonathan Riss und Adams führten durch die Ausstellung. Dabei war auch Sigal Mansouri, deren Töchter Norelle und Roya beim Nova-Festival ermordet wurden.
Die Ausstellung verbindet Fotografien, darunter Arbeiten von Ziv Koren, mit persönlichen Berichten von mehr als 40 Frauen. Sie erzählt vom 7. Oktober anhand von Verlust, Rettung und Solidarität. Der Besuch verband das Treffen beim Präsidenten mit einer weiteren Erinnerungsform: individuellen Erfahrungen zuzuhören und die Lebensgeschichten hinter den Ereignissen zu bewahren. Bohbots Worte gehören zu diesem Bemühen, die Stimmen der Überlebenden präsent zu halten.
Genesung geht nach öffentlichen Auftritten weiter
Das israelische Gesundheitsministerium beschreibt eine fortlaufende Versorgung für Überlebende der Geiselhaft, von der Krankenhausaufnahme bis zur Betreuung im Alltag. Dazu gehören eine koordinierende Pflegekraft der Krankenkasse, psychologische Unterstützung und Nachsorge durch das Krankenhaus. Familien können ebenfalls Hilfe bei medizinischen Bedürfnissen und beim Zugang zu Angeboten erhalten.
Die Versorgung soll sich laut Ministerium an den Entscheidungen und dem Tempo jedes Einzelnen orientieren und nach der Entlassung weitergehen. Hilfe ist über die koordinierende Pflegekraft, das Krankenhaus oder örtliche Dienste zugänglich. Am 2. November beschrieb Bohbot seinen eigenen Maßstab für die Veränderung: Er stand in Jerusalem, konnte frei sprechen und jenen danken, die sich an seine Seite gestellt hatten.
